Der Chor

Der Berliner Figuralchor ist ein ambitionierter Laienchor mit circa 50 Sängerinnen und Sängern. Er hat seinen Sitz an der evangelischen Luisenkirche in Charlottenburg. Regelmäßig tritt er im Kammermusiksaal der Philharmonie mit Werken des 17. und frühen 18. Jahrhunderts auf. Mit der Namensgebung »Berliner Figuralchor« unterstreicht der Chor seine besondere Verpflichtung gegenüber der polyphonen, figurierten Alten Musik.

Der Chor hat vor ungefähr zehn Jahren damit begonnen, sich intensiv mit der Musik der genannten Epoche auseinanderzusetzen. Das heißt, dass bei den Aufführungen nicht allein auf historischen Musikinstrumenten gespielt wird. Sondern die Sängerinnen und Sänger intonieren nach der seinerzeit verwendeten ungleichschwebenden Stimmung, die die Affekte der barocken Musik in weitaus stärkerem Maße hervortreten lässt als die heute übliche egalisierte Stimmung. Verbunden mit einer konsequenten dynamischen und motivischen Artikulation offenbart die Musik so dem Hörer immer wieder zusätzliche Dimensionen. 

In seiner über 25-jährigen Geschichte führte der Chor zahlreiche interessante Projekte durch: »Missa solemnis« von Ludwig van Beethoven, »Psalmensinfonie« von Igor Strawinsky, »War Requiem« von Benjamin Britten, sämtliche Oratorien von Johann Sebastian Bach und ein vielseitiges A-cappella-Repertoire. Der Chor trug szenische Aufführungen des Oratoriums »Esther« von Georg Friedrich Händel (1983/84), der zeitgenössischen biblischen Oper »Nebukadnezar« von Wüsthoff/Schwemmer (1987) und der biblischen Oper »Damaskus« von W. Radeke (1989) vor - letzteres ein Auftragswerk der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg zum Reformationsjubiläum 1989.

Konzertreisen führten den Chor seit seiner Gründung 1980 unter der Leitung von Gerhard Oppelt nach Italien, Spanien, Ungarn, Polen, Tschechien, Rumänien, Russland und Albanien. Gemeinsame Auftritte mit russischen Orchestern aus Moskau und Woronesch in Berlin, Dresden, Moskau und St. Petersburg galten vorwiegend der zeitgenössischen Musik. Im Herbst 2008 initiierte der Berliner Figuralchor in Zusammenarbeit mit der Ev. Luisen-Kirchengemeinde ein internationales Versöhnungsprojekt mit einem serbischen Chor aus Novi Sad und einem albanischen Chor aus Shkodra. Dank großzügiger Förderung seitens des Auswärtigen Amtes und des Goethe-Instituts wurden gemeinsam Konzerte in Berlin und Potsdam sowie in Serbien und Albanien veranstaltet. 

Der Chor wurde ab 2010 in die Chorförderung des Berliner Kultursenats von zehn besonders geförderten Chören in Berlin aufgenommen.